Rock on – Gospel meets Rock and Pop oder der Lesedi Show Choir – der Chor, den man auch sehen sollte
Unser nächstes Konzert am Samstag, den 24. April um 19.00 und 22.00 Uhr auf der Akademiebühne in der Cité bestreiten wir zusammen mit einem Chor, dessen fulminante Karriere einem Märchen gleicht: dem Lesedi Show Choir aus Südafrika. Seine Entstehungsgeschichte ist einerseits Symbol für die tiefgreifende Ungerechtigkeit, die das Apartheid-Regime zementiert hat, andererseits aber auch Sinnbild der Hoffnung und des Aufbruchs.
Vor 24 Jahren wird in Ratanda, dem unterprivilegierten Township vor den Toren von Heidelberg in Südafrika, ein musikalisches Wunderkind geboren – Thabang Mokoena. Doch musikalische Wunderkinder werden in Südafrika nicht entdeckt, zumindest nicht, wenn sie schwarz sind. Sie müssen sich selbst entdecken. Das tut Thabang, der bereits im Alter von 10 Jahren seinen ersten Chor dirigiert hat. Anstatt herumzuhängen und sich von der Hoffnungslosigkeit und Lethargie, die das Township beherrschen, entmutigen zu lassen – die Arbeitslosenquote im Township Ratanda liegt bei 75 %, Kleinkriminalität, Drogen und Prostitution sind an der Tagesordnung - sammelt er begabte Jungen und Mädchen aus Ratanda um sich zum gemeinsamen Singen zu treffen. Geprobt wird in einer Garage, zwei bis drei Stunden an jedem Werktag, zu häufiges Fehlen wird mit Ausschluss bestraft. Denn Mokoena hat eine Vision. Er will nicht nur einen guten, er will einen erstklassigen Chor. Und er weiß, dass in Südafrika, das vor guten Chören und stimmgewaltigen Sängern und Sängerinnen nur so strotzt, der Drill den Unterschied macht. Tatsächlich erlangt der Chor einen gewissen Bekanntheitsgrad, er gibt erste eigene Konzerte, tritt bei Gospelwettbewerben und bei einer Fernsehgala auf und macht seine erste Studioaufnahme. Aber noch immer singt er fast ausschließlich vor schwarzem Publikum, die gläserne Wand, die in Südafrika auch nach der Apartheid zwischen Weiß und Schwarz steht, verbaut auch Mokoenas Chor höherfliegende Pläne.
Das ändert sich, als Thabang Mokoena 2005 zum ersten Mal den Afrikachor von Eva Buckman hört, der sich auf Konzertreise durch Südafrika befindet. Ein weißer Chor, der nur afrikanisch singt – das war unerhört. Ein erster Kontakt entsteht, der in den nächsten Jahren vertieft wird. In Heidelberg/Südafrika wird 2006 auf Initiative von Axel Schweikert, damals noch Leiter der Musik- und Singschule Heidelberg, eine Musikschule gegründet. Ein großer Container mit über 100 großzügig gespendeten Musikinstrumenten liefert 2007 dazu die Ausstattung. Der Lesedi Show Choir, hervorgegangen aus einem der Chöre Thabang Mokoenas, wird 2006 offiziell als gemischtfarbiger Chor gegründet. Ziel des Chores ist neben der ästhetisch-musikalischen Erziehung und der Vermittlung von Professionalität, Selbstwertgefühl und Stolz auf die eigenen musikalischen Traditionen nun auch das Überwinden der Rassenschranken. Das Repertoire umfasst vor allem traditionelle afrikanische Chormusik, daneben werden aber auch Stücke aus Swing und Jazz sowie neuere Gospels improvisiert und arrangiert. Für alle Stücke entwirft Thabang Mokoena eine eigene Choreografie, die den Rhythmus und Grundcharakter der Stücke unterstreicht.
In Zusammenarbeit mit Eva Buckman leitet er zwischenzeitlich selbst zahlreiche Workshops in Deutschland und reist mit seinem Chor zu Auftritten nach Deutschland, Südafrika und Ghana. Seit 2006 erhält Thabang Mokoena, bisher reiner Autodidakt, mit finanzieller Unterstützung der Musik- und Singschule Heidelberg und des Spiritual- und Folklorechores eine musikalische Ausbildung an der Musikschule in Heidelberg/Südafrika, sowie Fortbildungen an der Musik- und Singschule Heidelberg in Harmonielehre und Klavier. Inzwischen winkt ihm ein Stipendium an der Stellenbosch Universität im Fach Dirigieren. Es sieht so aus, als würde die gläserne Wand dem unermüdlichen Elan Mokoenas nicht mehr länger standhalten können. Wir wünschen es ihm.
Wer Thabang Mokoena bei seinem mitreißenden Dirigat selbst einmal erleben will, hat an den zwei Konzertterminen am 24. 04.2010 die Möglichkeit dazu. Während die Karten für das 19.00 Uhr-Konzert schon ausverkauft sind, sind noch reichlich für die Late Nigth Show um 22.00 Uhr verfügbar. Diese können unter der Telefonnummer 07221 – 55077 oder unter vorverkauf@sfc-bad.de reserviert werden (bitte Hinweise auf der Startseite beachten).
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